
Wie sieht die Mobilität von morgen aus, wenn Kinder sie mitgestalten? Auf einer Exkursion in die Spielstadt Mini-München suchte das Team der IBA-M nach Antworten. Und fand: einen florierenden Fußverkehr, diskussionsfreudige Stadtplanerinnen und Stadtplaner sowie eine sehr konkrete Projektidee.
Es klingt wie ein ganz normaler Tag im Terminkalender von IBA-M-Geschäftsführer Oliver Weigel: Treffen mit dem Bürgermeister, Besuch im Stadtplanungsamt, Austausch zu neuen Projekten. Ein Kinderspiel? Genau! Denn der Termin fand in Mini-München statt – und hier hat die nächste Generation das Sagen.
In der Spielstadt Mini-München können Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 15 Jahren studieren, arbeiten und einkaufen, bauen, Politik machen und vieles mehr. Wir von der IBA-M – Internationale Bauausstellung Metropolregion München – besuchten die Spielstadt am 13. August. Wir wollten wissen: Wie sieht Mobilität aus in einer Stadt, in der Kinder die Macht haben? Welche Wünsche und Ideen haben sie für die Zukunft? Und wie können wir sie bei der Mobilitätsentwicklung besser einbeziehen? Wir wollten zuhören, in den Austausch kommen, uns von den Kindern leiten lassen. Und staunten nicht schlecht, als sie uns ihre Projektidee für Mini- und Maxi-München vorstellten.
Unterwegs in Mini-München
Es war fast elf Uhr und die Sonne knallte von einem strahlend blauen Himmel, als wir auf dem Showpalast-Gelände in Fröttmaning eintrafen. Durch ein riesiges Tor betraten wir die Spielstadt. Dort wurden wir von zwei Stadtführerinnen begrüßt, ebenso wie von Gerd Grüneisl. Er hat Mini-München 1979 mitbegründet und dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten. Der Bürgermeister ließ sich entschuldigen – aufgrund seines übervollen Terminkalenders könne er erst später dazustoßen.
Also spazierten wir zu neunt durch die Stadt. Was als erstes auffiel: Anders als in Maxi-München ist man hier vor allem zu Fuß unterwegs. Auch der öffentliche Nahverkehr ist gut ausgebaut, es gibt einen zentralen Busbahnhof, eine Tram und sogar einen Taxistand. Die Bücherei bringt neues Lesefutter per Lastenrad – Fahrradführerschein erforderlich!
Ideen für die Stadt von morgen
Nach der Stadtführung trennten sich die Wege. Während Oliver Weigel im Stadtplanungsamt mit den Profis diskutierte, hielten Maxim Altenburger und Antonia Bourjau aus unserem Projekte-Team eine Vorlesung im Audimax. Ihr Thema: „Wie bist du unterwegs? Ideen für die Stadt von morgen.“ Mit einem Mix aus Präsentation, Quiz und Zeichenwettbewerb kamen sie mit den Kindern darüber ins Gespräch, welche Verkehrsmittel es gibt, wo ihre Stärken und Schwächen liegen und vor allem: wie das Verkehrsmittel der Zukunft aussehen könnte.
Warum Mini-Münchens Zukunft (auch) an der Mobilitätsplanung hängt
Während im Audimax die Stifte rauchten, tauschte sich Oliver Weigel mit dem Stadtplanungsamt von Mini-München aus. Beide Seiten waren sich einig: Eine Stadt muss für alle funktionieren, auch für Kinder und ältere Menschen. Die jungen Planerinnen und Planer wünschten sich vor allem mehr Grün, aber auch bessere Fuß- und Radwege sowie öffentliche Verkehrsmittel. Was ihnen an der IBA-M besonders gut gefiel: dass sie sich hier von Anfang an beteiligen können – nicht erst am Ende, wenn gegen fertige Pläne Protest aufkommt.
Damit waren wir mittendrin in ihrer Projektidee. Denn Mini-München hat ein Problem: Die Spielstadt muss einen neuen Standort suchen. Doch passende Flächen – weitläufig, günstig und gut angebunden – sind rar in München. Die Idee: Die Stadtwerke München (SWM) bauen in Ramersdorf einen Tram-Betriebshof neu. Könnte Mini-München hier eine Heimat finden, auf dem Dach des Betriebshofs? Stadtbaurätin Elisabeth Merk fand die Idee so gut, dass ein Team aus Mini-München sie im Planungsausschuss vorstellen durfte. Als Nächstes steht eine Machbarkeitsstudie an. Außerdem überlegt das Team aus Mini-München, die Idee bei der IBA-M einzureichen.
„Durch das Projekt könnte ein an sich privater Raum öffentlichen Mehrwert schaffen, das Dach des Betriebshofs würde doppelt genutzt und die Spielstadt bekäme einen zukunftssicheren Standort – mit U-Bahn-Station direkt vor der Tür.“ – Prof. Dr. Oliver Weigel, IBA-M-Geschäftsführer
Der Maxi-München-Transfer: Mobilität für alle möglich machen
Was die Kinder in Mini-München leisten, ist alles andere als klein. Es ist bunt, riesig und beeindruckend. Das gilt auch für ihre Ideen zu Mobilität und Stadtentwicklung. Was wir von unserem Ausflug mitnehmen:
- Mobilitätsthemen altersgerecht vermitteln: Nur wer Komplexes einfach ausdrücken kann, hat es wirklich verstanden. Aber man muss auch nicht übermäßig simplifizieren. Die spannendsten Fragen entstehen im Austausch auf Augenhöhe. Beispiel aus der Diskussion im Stadtplanungsamt: Sollte man mehr Hochhäuser bauen, um Grünflächen zu schützen? Oder sorgt das nur für noch mehr Dichte, Stress und Hitze?
- Kinder früh beteiligen: Besonders wichtig bei Projektkandidaten, die junge Menschen unmittelbar betreffen, wie Autofrei – ich bin dabei oder das Lernviertel Freising. Dort diskutierten bei unserem Kreativworkshop auch Schülerinnen und Schüler mit.
- Mobilitätsräume aus Kindersicht hinterfragen: Wie selbstständig können sie sich in ihrem Wohnort bewegen? Für das IBA-M-Forum im Dezember planen wir einen eigenen Programmpunkt rund um Gruppen, die bei der Gestaltung des öffentlichen Raums oft übersehen werden.
Die IBA-M ist die IBA des Miteinanders. Wir wollen Mobilität für alle möglich machen, für Kinder ebenso wie für junge Frauen, ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen, Migrantinnen und Migranten. Damit Maxi-München für alle funktioniert – auch für die Generation von übermorgen.




















