
Was passiert, wenn man 30 Mobilitäts-Profis aus Bayern und den Niederlanden vor einen Berg an Material setzt und ihnen sagt, sie sollen basteln? Wir haben’s ausprobiert. Heraus kam ein Workshop-Tag voller Experimentierfreude, internationalem Austausch und farbenprächtigen Modellen.
Verkehrsplanung funktioniert traditionell so: Jemand zeichnet eine Linie von A nach B, den kürzesten Weg mit dem Auto. Schwarz auf Weiß. Alles andere – Bürgersteige und Radwege, Begegnungsorte und Grünflächen – darf höchstens noch die Ränder füllen. Doch das geht an der Wirklichkeit vorbei. Denn die ist in 3D, und in ihr leben echte Menschen mit vielfältigen Mobilitätsbedürfnissen. Wie lassen sich reine Verkehrsknotenpunkte in Lebensräume für alle verwandeln? Das war die Leitfrage einer bayerisch-niederländischen Begegnung.
Bayerisch-niederländisch? Genau! Vom 23. bis 25. Juni 2026 reiste eine Delegation aus dem Königreich der Niederlande durch die Metropolregion München. Die Teilnehmenden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung wollten sich über zukunftsfähige Mobilität austauschen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit ausloten. In Augsburg trafen sie sich auch mit einigen IBA-M-Projektkandidaten. Und dabei kamen alle gehörig ins Schwitzen.
Pappe, Knete, Gummibär: Das Experiment beginnt
Das lag nicht nur an hochsommerlichen 34 Grad. Nach einer kurzen Stadtführung des IBA-M-Projektkandidaten „Augsburger Wege des Wassers“ starteten wir ein besonderes Experiment: drei Gruppen, ein bunter Berg an Material und eine Stunde Zeit, um daraus ein Zukunftsmodell zu bauen. Dafür erhielt jede Gruppe ein Fallbeispiel: ein Dorfplatz, der vor allem als Parkplatz dient und nur am Markttag zum Leben erwacht. Ein Vorstadt-Bahnhof, der zwar funktional ist, aber alles andere als einladend. Eine breite Innenstadt-Straße, in der niemand freiwillig verweilt.
Für die Teilnehmenden war es ein Sprung ins kalte Wasser. Einige schienen ratlos, was sie mit der bunten Knete anstellen sollten. Doch die Mutigsten legten einfach los. Aus der Knete entstand ein Bus, aus Stöcken und Blättern ein Baum, Gummibärchen wurden zu Menschen. Stimmen aus Bayern und den Niederlanden, Uni und Stadtplanungsamt, Architektur und Fahrradwirtschaft flogen durch den Raum. Fiebrige Energie und kreatives Chaos.
Doch unser Moderations-Team führte sicher durch die heiße Phase, vor allem mit zielgerichteten Fragen: Wie fühlt sich dieser Ort an für die Menschen, die dort unterwegs sind? Für Schulkinder, Lieferanten oder Seniorinnen? Was fehlt – und was muss anders werden? „Mehr Grün!“, schallte es von der einen Seite, „mehr Wasser!“ von der anderen. „Wir müssen mehr von den Menschen her denken!“ Der Raum vibrierte. Bäume wurden verpflanzt, ganze Bahnhöfe versetzt, es entstanden Sonnensegel, Seilbahnen und Rooftop-Bars. Dann, verschwitzt und auch ein wenig stolz, präsentierten die Teilnehmenden ihre Zukunftsvisionen.
Was wirklich zählt: mehr Mut, mehr Miteinander
Doch in Wahrheit ging es weniger um die Modelle selbst als um ihre Entstehung. Darum, einander aktiv kennenzulernen, in interdisziplinären Teams zusammenzuarbeiten. Mobilität nicht nur neu zu denken, sondern neu zu machen, miteinander in der bunten, vielfältigen, dreidimensionalen Welt. Und der Plan ging auf. In der Reflexionsrunde lobten die Teilnehmenden die lockere, experimentierfreudige Atmosphäre, in der selbst die wildesten Ideen willkommen waren. Viele wünschten sich für ihren Arbeitsalltag mehr von diesem kreativen, fachübergreifenden Austausch.
Auch wir von der IBA-M nehmen einiges aus diesem Workshop mit. Allen voran die Erkenntnis, dass sich der Mut zum Experiment auszahlt. Aber auch die Bestärkung, dass die besten Ideen für die Mobilität von Morgen „miteinand“ entstehen, international und interdisziplinär. Deshalb vertieften wir den bayerisch-niederländischen Austausch anschließend an Bord einer historischen Augsburger Tram. Eingeladen dazu hatte das Generalkonsulat des Königreichs der Niederlande, begrüßt wurden wir von Generalkonsulin Annelies Faro persönlich. Danach ließen wir den Abend bei kühlen Getränken und entspannten Gesprächen ausklingen.








