Im Netzwerk zur Next Practice: Wie Bauausstellungen im IBA-Labor an ihrer Zukunft tüfteln

Eine Frau mit Pferdeschwanz und blauer Bluse schreibt etwas auf eine Moderationskarte, die an einer Stellwand hängt.

Was macht eine IBA stark? Darüber diskutierten Bauausstellungen aus ganz unterschiedlichen Orten beim IBA-Labor in München. Ihr Fokus: Zusammenarbeit – in den Projekten, mit Politik und Öffentlichkeit ebenso wie mit den Besten aus aller Welt. Für ein Format, das Städte und Regionen miteinander besser macht.

„Wir alle betreiben täglich Stadtentwicklung. Mit jeder Entscheidung darüber, wo wir wohnen, einkaufen, unsere Freizeit verbringen oder wie wir mobil sind, gestalten wir unsere Städte mit. Doch meist ist uns dieser Einfluss nicht bewusst.“

Prof. Dr. Oliver Weigel, Geschäftsführer IBA-M

Mehr als 50 Menschen sitzen im Münchner Haus der Architektur zusammen – und ihre Ausgangslagen könnten unterschiedlicher kaum sein. Die einen prüfen gerade die Idee einer Internationalen Bauausstellung (IBA), die anderen sind mitten im Ausstellungs-Endspurt. Die einen bringen jahrzehntelange Erfahrung aus Deutschland mit, die anderen wollen das Format in die Ukraine übertragen, wo Krieg herrscht. Und doch verbindet sie eine Frage: Was macht eine IBA eigentlich stark?

Eine Frau mit hellen Haaren und schwarzer Jacke steht an einem Rednerpult, spricht und gestikuliert.
Prof. Dr. Agnes Förster, Kuratoriumsmitglied der IBA-M, hielt den Impulsvortrag. © IBA-M

Genau darum ging es beim IBA-Labor, zu dem die IBA Metropolregion München (IBA-M) ins Haus der Architektur eingeladen hatte. Zwei Tage lang arbeiteten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener IBA-Initiativen an der Zukunft ihres Formats. Der richtungsweisende Impuls: Kooperation als Superkraft.

Wie aus Zusammenarbeit Zukunft wird

Eine Erkenntnis zog sich durch alle Beiträge: Eine IBA wird nicht durch einzelne Projekte stark, sondern durch die Fähigkeit, Zusammenarbeit zu organisieren. Zukunftsweisende Projekte entstehen da, wo die Perspektiven von Stadtforschung, Verwaltung sowie Stadtmacherinnen und Stadtmachern aufeinandertreffen und fruchtbar werden. Dieser „Trialog“ ist eingebettet in ein erweitertes Akteursnetzwerk. Entscheidend dabei: die Politik. Denn IBAs denken in Jahrzehnten, Politik in Legislaturperioden. Nur wer diese Kluft überbrückt – mit stabilen, parteiübergreifenden Allianzen –, verwandelt Visionen in gebaute Zukunft.

Der Kooperationsgedanke trägt auch die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Wie können IBAs komplexe Stadtentwicklungsprojekte verständlich vermitteln? Eher nicht durch abstrakte Pläne. Sondern indem sie Bilder zeigen, einzelne Orte temporär verändern, Transformation erlebbar machen – und dann in den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern gehen.

Eine Frau mit Brille und bunter Jacke spricht in ein Tischmikrofon, um sie herum sitzen weitere Menschen mit Laptops.
Eine Hand schreibt mit einem gelben Stift auf einen Notizblock mit dem Logo der IBA-M.

Eindrücke aus dem IBA-Labor: Impulse, Austausch, Erkenntnisse. © IBA-M

Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigte der IBA-M-Projektkandidat „Die Donnersberger – eine Ikone für München und die Region“. Die Brücke soll bis in die 2040er Jahre vollständig erneuert werden, von der reinen Verkehrsachse zum Stadtraum für alle. Dafür entwickeln Fachleute, Verwaltungsmitarbeitende und Zivilgesellschaft gemeinsam Lösungen. Temporäre Interventionen und Testphasen ermöglichen es den Menschen, einfach mal auszuprobieren, wie sich einzelne Veränderungen anfühlen. So wird aus Zusammenarbeit Zukunft.

„Welche Kooperationsgeschichte möchte Ihre IBA erzählen?“

Prof. Dr. Agnes Förster, RWTH Aachen / Studio | Stadt | Region

Auf zu neuen Horizonten – dann in der Heimat anpacken

Zusammenarbeit in der Region zu organisieren, gelingt vielen IBAs schon gut. Doch auch, wenn sie das „I“ im Namen tragen: Wirklich international waren die wenigsten. Oft dachte man nur in eine Richtung, die große Ausstellung am Ende, auf der man der Welt zeigt, was man gebaut hat. Dabei läge die eigentliche Stärke in der entgegengesetzten Richtung, im Lernen von den Lösungen anderer. Ob Mobilität in Tokio oder Wassermanagement in den Niederlanden: Wer von Best Practices lernt, kann „Next Practices“ für die eigene Region entwickeln.

Damit das gelingt, müssen IBAs ihre Internationalität von Anfang an mitdenken, nicht erst zur Ausstellung. Das ist auch der Anspruch der IBA-M. Ein erster Schritt: die kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung mit Lemberg/Lwiw in der Ukraine – für den Austausch von Wissen und Erfahrung in beide Richtungen.

Städte besser machen. Miteinand.

Das IBA-Labor hat gezeigt: IBAs werden im Miteinander stark. Indem sie voneinander lernen. Indem sie Kooperation bewusst organisieren, lokal wie international. Und indem sie die Menschen vor Ort als Stadtmacherinnen und Stadtmacher ernst nehmen.

Eine Gruppe von Menschen auf einer Terrasse vor einer gläsernen Fassade. Einige von ihnen halten gelbe Pappkreise.
Die Teilnehmenden des IBA-Labors vorm Münchner Haus der Architektur. © IBA-M

All diese Erkenntnisse fließen in die IBA-M mit ein. Denn unser „M“ steht auch für „Miteinand“. Zwei aktuelle Beispiele: In der Netzwerkstatt „Bahnhofsquartiere“ bringen wir Kommunen, Politik, Verwaltung, Infrastruktur und Planung an einen Tisch, um herauszufinden, wie Bahnhofsumfelder zu lebenswerten Stadtvierteln werden. Außerdem entwickeln wir eine internationale Strategie. Für noch mehr Austausch, starke Allianzen – und eine Ausstellung, die in die Welt hinaus strahlt.

Alle Impulsvorträge, Workshops und Ergebnisse des IBA-Labors gibt es in der Dokumentation zum Nachlesen.


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