
14 IBA-M-Projektkandidaten, 3 Kommunikationsprofis und rund 100 Stunden Coaching: Über den Sommer haben unsere Kandidaten intensiv an Projektprofilen, Kernbotschaften und Kurzvorstellungen gefeilt. Was bringt das den Kandidaten in der Praxis? Das wollten wir gemeinsam in einem Workshop testen.
von Hannah Paxian
veröffentlicht am 28. Oktober 2026
Lesedauer: 3-5 Minuten
„Ich bin leider ganz schlecht mit Namen.“ Das hört man in Vorstellungsrunden oft. Oder muss es selbst sagen, wenn man schon bei B. vergessen hat, wie A. hieß. Doch was, wenn A. erzählt, dass sie nach der Sängerin des 68er-Hits „Mein Freund, der Baum“ benannt ist? Die Geschichte bleibt hängen, anders als der reine Fakt. So führt schon die Aufwärmübung mitten ins Workshop-Thema.
Wie stelle ich mein Projekt so vor, dass der Funke überspringt? Vor dieser Frage standen Anfang des Jahres viele unserer Projektkandidaten. Etwa wenn es um politische Unterstützung, Partnerschaften oder Finanzierung ging. Deshalb boten wir ihnen individuelle Kommunikations-Coachings mit der Agentur Storywerk Berlin an. In sechs Modulen schärften sie ihr Projektprofil, feilten an ihren Botschaften und entwickelten einen Elevator Pitch, also eine kurze, überzeugende Projektvorstellung. Der nächste Schritt: Storytelling für einen professionellen Auftritt.
Dafür luden wir Armand Wans, Simone Lidtke und Ute Schechtel von Storywerk sowie alle teilnehmenden Kandidaten zu uns ins Haus der Architektur ein. Einen Nachmittag lang wollten wir von den Kommunikationsprofis lernen, warum man andere Menschen mit Geschichten eher erreicht und wie sich das in einer Präsentation umsetzen lässt. Praxis-Training inklusive.

Der Held sitzt gegenüber
Menschen lieben Geschichten. Schon aus ein paar Lichtpunkten am Himmel spinnen sie Stories über Helden, Götter und die Zukunft. Anders als trockene Fakten fesseln Erzählungen unsere Aufmerksamkeit, sprechen uns nicht nur geistig, sondern auch emotional an, bleiben eher im Gedächtnis. Das macht sie auch für Projektvorstellungen spannend.
In Frage kommen wahre Geschichten, etwa über die Entstehung einer Idee, die Menschen, deren Leben das Projekt verbessern will, oder die Vision einer freundlicheren Zukunft. Allerdings müssen Story und Präsentation zur Zielgruppe passen. Dabei hilft ein Perspektivwechsel: Was braucht mein Gegenüber wirklich? Und wie kann mein Projekt dazu beitragen, dass er oder sie es bekommt? Anders als man erwarten könnte, muss man sich für einen überzeugenden Auftritt nicht selbst als Heldin oder Held inszenieren. Eine Erleichterung für viele Kandidaten.
„Es stimmt, wir spinnen ständig Geschichten um Dinge, die eigentlich keine haben. Warum nicht um unsere Projekte?“
„Dieses Einstellen auf das Gegenüber, das hat mich so mitgenommen.“
Am Tisch mit Markus Söder
Spannende Impulse – doch funktioniert das auch im Alltag? Zur Übung entwickelten die Kandidaten kurze Rollenspiele, in denen sie ihr Projekt einem wichtigen Stakeholder vorstellten. So wollte eine empörte Bürgerin angehört, eine ungeduldige Investorin bei der Stange gehalten und sogar Markus Söder umgarnt werden. Anschließend stellten die Teilnehmenden ihre Szenen im Plenum vor.
Hier lief der Workshop endgültig zu Hochform auf. Denn unsere Projektkandidaten waren einander ein hervorragendes Publikum, litten mit, lachten an den richtigen Stellen, spendeten Lob und konstruktive Kritik:
„Bei dir konnte man eine tolle Entwicklung sehen, am Anfang warst du ein bisschen nervös, am Ende richtig charmant.“
„Das war noch ein bisschen zu stadtplanerisch, der musst du sagen, wir machen saucoole Baustellenkommunikation.“
„Wenn einer so wütend ist, hilft manchmal nur noch eins: Steckerl hinhalten, bis das Gift rauskommt. Dann fragen: Jetzt besser?“
Zusammen wachsen
Wir von der IBA-M waren schwer beeindruckt von unseren Projektkandidaten. Nicht nur, weil sie sich über den Sommer spürbar weiterentwickelt hatten und ihre Projekte nun voller Klarheit und Überzeugungskraft präsentierten. Sondern vor allem davon, wie sie als Gruppe zusammengewachsen waren. Wie viel Vertrauen und Wertschätzung sie einander entgegenbrachten. Und so eine Atmosphäre schafften, in der sich alle verletzlich zeigen und voneinander lernen konnten.
„Ich habe nächste Woche ein wichtiges Gespräch und war unsicher, wie ich meine Botschaft am besten verpacke. Jetzt habe ich die Antwort.“
„Als Einzelkämpfer hat man manchmal das Gefühl, man schwebt allein im All. Und dann landet man plötzlich hier und bekommt reales Feedback.“
„Als Bürgerin und Mutter ist es toll, all die Menschen hier zu sehen, die die Metropolregion mit viel Liebe und Herzblut gestalten.“
Wie es jetzt weitergeht? Ein letzter Coaching-Termin steht noch an, dann wartet schon das IBA-M-Forum am 2. und 3. Dezember. Freut Euch auf starke Auftritte unserer Projektkandidaten, klar, inspirierend und begeisternd. Und wenn Ihr die Namen nicht vergessen wollt: einfach nach ihrer Geschichte fragen.



