Der Münchener Hauptbahnhof ist ein Nadelöhr. Wer schon mal mit wenig Umsteigezeit das Gleis wechseln musste – und vielleicht noch ganz hinten am Gleis ankam – weiß: der Weg ist weit. Eine Querung der Gleise ist nicht möglich. Daher müssen die Bahnfahrenden den weiten Weg über das Kopfende antreten. Eine Passerelle zwischen den Gleisen ist aus denkmalpflegerischer Sicht nicht möglich. Warum also nicht bereits Vorhandenes nutzen?
Der Paul-Heyse Tunnel könnte aufgrund seiner Lage gut zur Gleisverbindung umgenutzt werden. Eine Hälfte der Unterführung bleibt für den Autoverkehr bestehen, die andere Seite wird zur Fußgängerzone mit Fahrradweg. Wenn dabei noch Wert auf gute Gestaltung gelegt wird, entsteht ein sicherer, qualitätsvoller Raum für alle Münchner*innen und Bahnreisende. Der Un-Ort wird zum Ort für Begegnungen. Von der Unterführung führen Treppen auf die Gleise.
Der Transitraum wird mit Funktionen wie Fahrkartenautomaten angereichert und bekommt einen kleinen Kiosk. Auf diese Weise wird die Haupthalle entlastet, Maxvorstadt und Ludwigsvorstadt erhalten einen eigenen Zugang zum Bahnhof. Ganz nebenbei werden die beiden Stadtviertel – durch die Bahntrasse streng getrennt – wieder stärker verbunden. Der Schriftsteller Paul-Heyse schrieb in „die Pfadfinderin“ über das Naturerleben – wir müssen heute erstmal den Zug in die Natur erwischen.

