Sechs Kommunen, die DB InfraGO und die IBA-M haben in Fürstenfeldbruck ein Netzwerk für die Entwicklung von Bahnhofsquartieren in der Metropolregion München gegründet. Rund 100 Fachleute aus Kommunen, Planung, Politik und Wissenschaft diskutierten dort mit Vertretungen von Bund, Freistaat und Bahn. Das Netzwerk steht weiteren Kommunen offen.
Fürstenfeldbruck, 22. September 2026. Die Internationale Bauausstellung Metropolregion München (IBA-M) hat am Montagabend 21. September 2026, gemeinsam mit den Kommunen Augsburg, Dachau, Freising, Fürstenfeldbruck, Kaufbeuren und München das Netzwerk „Bahnhofsquartiere“ gegründet. Assoziiertes Gründungsmitglied ist die DB InfraGO AG. Im Veranstaltungsforum Fürstenfeld unterzeichneten die politischen Vertretungen der sechs Kommunen, der DB InfraGO AG und der IBA-M eine gemeinsame Absichtserklärung. Anlass war die IBA-M-Netzwerkstatt „Bahnhofsquartiere“ mit rund 100 Teilnehmenden aus Kommunen, Planung, Verwaltung, Politik und Wissenschaft. Durch den Gründungsakt führte der Moderator Fero Andersen.

Hintergrund ist die Feststellung, dass die beteiligten Kommunen bei der Entwicklung ihrer Bahnhofsquartiere eine Zukunftsvision teilen und zugleich auf dieselben Hürden stoßen: Teilweise sind Eigentumsverhältnisse ungeklärt oder Zugriffsmöglichkeiten für eine gemeinwohlorientierte Entwicklung beschränkt, Förderprogramme greifen nicht immer ineinander und weitere Finanzierungswege sind bislang wenig erschlossen, Zuständigkeiten verteilen sich zwischen Kommune, Bahn, Freistaat und Bund. Besonders die frühe Konzeptphase gilt als Nadelöhr: Fördermittel setzen ein Konzept voraus, für dessen Erarbeitung wiederum Geld und Flächenzugriff nötig sind.
„Eine Bauausstellung, die zehn Jahre läuft, misst sich daran, was nach ihr bleibt“, sagte Prof. Dr. Oliver Weigel, Geschäftsführer der IBA-M. „Einzelne gelungene Projekte reichen dafür nicht. Es braucht Strukturen, in denen Kommunen weiter voneinander lernen, wenn wir längst fertig sind. Deshalb ist dieses Netzwerk von Anfang an so angelegt, dass es uns überdauert.“

Die Gründung hat eine Vorgeschichte. Im September 2025 widmete sich die erste IBA-M Summer School dem Thema „Bahnhofsumfelder als Kristallisationspunkte nachhaltiger Stadtentwicklung“. 90 Studierende aus zehn Hochschulen des deutschsprachigen Raums bearbeiteten sieben reale Aufgabenstellungen der Partnerstädte München, Augsburg und Fürstenfeldbruck, darunter den Bahnhof Fürstenfeldbruck und die Bahnhofsumfelder in Augsburg-Oberhausen und München-Feldmoching. Begleitet wurden sie von Fachleuten aus den Stadtverwaltungen und der Deutschen Bahn. Was dort als Summer School begann, führt das Netzwerk nun in die Praxis der Kommunen zurück.
Das Netzwerk arbeitet an sechs Handlungsfeldern: Vernetzung und Anschlussmobilität, Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, stadträumliche Einbindung, Finanzierung, Flächenverfügbarkeit sowie Zusammenarbeit und Kooperation. Ziel ist es, Ansätze für die Umsetzung zu entwickeln, die sich von einem Standort auf den nächsten übertragen lassen, und gemeinsame Interessen gegenüber Bund, Freistaat und Bahn zu vertreten. Die IBA-M übernimmt die Koordination und Moderation.
Bund, Freistaat, Bahn und Kommunen auf einem Podium

Vor der Unterzeichnung diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Bund, Freistaat, Deutscher Bahn und Kommunen über die politischen Rahmenbedingungen — darunter Gabriele Kautz für das Bundesbauministerium, Ministerialdirigentin Marion Frisch für das Bayerische Bauministerium und Esther Heckmann für die DB InfraGO AG. Moderiert hat Prof. Dr. Oliver Weigel. Zum Auftakt der Veranstaltung richtete der Bayerische Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr, Christian Bernreiter, ein Grußwort per Video an die Teilnehmenden.
Die DB InfraGO AG bringt sich über ihre Kompetenzstelle Bahnhofsvorplatz & Anschlussmobilität ein und berät Kommunen bei Konzepten für ihre Bahnhofsumfelder sowie bei Fragen der Flächengestattung und der Fördermittel. Allein im Regionalbereich Süd verantwortet das Unternehmen rund 1.000 Bahnhöfe in Bayern. „Ein Bahnhof endet nicht am Bahnsteig“, sagte Esther Heckmann, Leiterin Personenbahnhöfe Süd der DB InfraGO AG. „Wo Kommune und Bahn früh gemeinsam planen statt nacheinander, entstehen Lösungen, die für beide Seiten funktionieren und vor allem für die Reisenden.“
Verschiedene Standorte, vielfältige Ausgangslagen
Wie unterschiedlich sich dieselbe Aufgabe stellt, zeigen die eingebrachten Standorte: der Münchner Hauptbahnhof im Jahrzehnteumbau, ein Bundesprogramm in Kaufbeuren, ein geplantes neues Stadtviertel in Freising, ein fertiges Konzept in Dachau, ein Stadtteilbahnhof in Augsburg-Oberhausen. Gemeinsam ist allen, dass die entscheidenden Hürden nicht am Bahnsteig liegen, sondern davor und daneben.
Am zweiten Veranstaltungstag erarbeiteten die Teilnehmenden einen Aktionsplan für die künftige Netzwerkarbeit und legten Arbeitsformate und Strukturen fest. Impulse kamen unter anderem von Yo Kaminagai, ehemaligem Head of Design der Pariser Verkehrsbetriebe RATP, von Dominic Church, Bereichsleiter Stadtentwicklung der Schweizer Stadt Brugg, Matthias Haber, Professor für Bauen im Bestand und Partner im Büro Hild & K, sowie Roland Kager, Spezialist für Datenanalyse von Verkehrs- und Raumstrukturen und Burkhard Horn, Berater für Mobilität und Verkehr. Durch den Workshoptag führte Prof. Gunnar Heipp, IRAP Institut für Raumentwicklung.
Die Gründungskommunen und die DB InfraGO AG streben an, das Netzwerk über die Laufzeit der IBA-M bis 2034 hinaus zu verstetigen. Es steht allen Kommunen und Institutionen offen, die an der Entwicklung eines Bahnhofsquartiers in der Metropolregion München beteiligt sind und aktiv mitwirken möchten. Mehr Informationen unter iba-m.de/iba-m-netzwerk-bahnhofsquartiere/.
Über die IBA-M
Die Internationale Bauausstellung Metropolregion München ist eine IBA der neuen Wege mit dem Schwerpunkt Mobilität. Die IBA-M arbeitet im Dreiklang aus Experimentierraum, Bühne und Netzwerk: Sie schafft Räume für innovative Projekte, macht Ergebnisse öffentlich sichtbar und verbindet Akteure aus Politik, Verwaltung, Planung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft über kommunale Grenzen hinweg. Geschäftsführer ist Prof. Dr. Oliver Weigel, Vorsitzende des Aufsichtsrats ist Prof. Dr. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk.
Zitate der Gründungspartner
DB InfraGO AG — Esther Heckmann, Leiterin Personenbahnhöfe Süd
„Ein Bahnhof endet nicht am Bahnsteig. Wo Kommune und Bahn früh gemeinsam planen statt nacheinander, entstehen Lösungen, die für beide Seiten funktionieren und vor allem für die Reisenden. Mit der Kompetenzstelle Bahnhofsvorplatz und Anschlussmobilität haben wir dafür eine Anlaufstelle geschaffen. Das Netzwerk bringt uns in genau die Gespräche, in denen sie gebraucht wird. “
Augsburg — Steffen Kercher, Baureferent der Stadt Augsburg
„Die Mobilität auf der Schiene in Augsburg entscheidet sich nicht allein am Hauptbahnhof, sondern ebenso an den Bahnhöfen und Haltepunkten in unseren Stadtteilen. Jeder Standort hat eigene Potenziale und Herausforderungen, zugleich ähneln sich viele Fragestellungen. Deshalb wollen wir das gesamte Spektrum der Augsburger Bahnhofsstandorte in den Blick nehmen und von den Erfahrungen anderer Kommunen lernen. Das Netzwerk schafft dafür den richtigen Rahmen und stärkt unsere Möglichkeiten, Bahnhöfe als moderne Mobilitätsdrehscheiben und Impulsgeber für unsere Stadtteile weiterzuentwickeln.“
Dachau — Florian Hartmann, Oberbürgermeister
„Für unseren Bahnhof gibt es ein gemeinsam mit der Bahn erarbeitetes städtebauliches Konzept. Dies gilt es nun umzusetzen. Das neue Netzwerk soll uns dabei helfen, dass sich Kommunen bei der Deutschen Bahn besser Gehör verschaffen können.“
Freising — Nico Heitz, Bürgermeister
„Rund um unseren Bahnhof soll ein neues Stadtviertel entstehen. Mit dem Zukunftsquartier Freising, einem Projektkandidaten der IBA-M, planen wir es innovativ und kooperativ und denken Mobilität und Landschaft von Anfang an zusammen. Ob daraus etwas wird, entscheidet sich daran, ob alle Beteiligten früh genug am selben Tisch sitzen. Genau dafür ist das Netzwerk da.“
Fürstenfeldbruck — Christian Götz, Oberbürgermeister
„Unser Bahnhof war eine der Aufgaben der IBA-M Summer School im vergangenen Jahr. Die Studierenden haben uns gezeigt, was an diesem Ort möglich wäre — und ebenso deutlich, woran es scheitert, wenn Stadt, Bahn und Freistaat nicht zusammenarbeiten. Dass aus dieser Werkstatt jetzt ein dauerhaftes Netzwerk wird, ist der richtige nächste Schritt. Deshalb sind wir gerne Gastgeber.“
Kaufbeuren — Stefan Bosse, Oberbürgermeister
„Kaufbeuren liegt am Rand der Metropolregion München, und genau darin liegt der Wert unserer Beteiligung: Was bei uns funktioniert, funktioniert in vielen Städten dieser Größenordnung. Ein Netzwerk ist dann etwas wert, wenn nicht nur die großen Städte davon profitieren, sondern auch die mittleren und kleinen Zugang zu Wissen und Partnern bekommen.“
München — Prof. Dr. (Univ. Florenz) Elisabeth Merk, Stadtbaurätin
„Bahnhöfe sind mehr als nur ein Ankunftsort, sie sind Eingangstor und Visitenkarte einer Stadt. Unsere Aufgabe ist es, diese Orte der Begegnung lebendig zu halten, sie nicht nur als Durchgangsort, sondern als Treffpunkt zu gestalten – mit vielfältigen Nutzungen, sozialen Einrichtungen sowie einer guten funktionalen und ästhetischen Gestaltung. Essenziell ist dabei auch die Anbindung der umliegenden Quartiere mitzuplanen: Während der Münchner Hauptbahnhof neu entwickelt wird, entsteht gleichzeitig an diesem zentralsten Punkt der Stadt eines der größten innerstädtischen Transformationsgebiete. Unsere Aufgabe ist es, gemeinsam mit allen Beteiligten langfristige Lösungen zu finden und zugleich die Übergangszeit mit durchdachten Zwischennutzungen und temporären Aktionen attraktiv zu gestalten. Ich freue mich auf den Austausch in unserem Netzwerk Bahnhofsquartiere.“
Die Veranstaltung wurde im Rahmen der Kongressinitiative für die Bayerische Tourismuswirtschaft (Kongresse in Bayern – KiB) gefördert.
